Neue Arbeit, neues Glück!
11. March 2009
Mehr als zwei Wochen habe ich keinen Eintrag für dieses Blog geschrieben. Das hat hauptsächlich daran gelegen, dass ich sehr beschäftigt war mit allerlei Besorgungen. Die wichtigsten Meilensteine waren die Ausländerregistrierungskarte, ein eigenes Bankkonto mit Kreditkarte und ein eigenes Handy. Ohne diese Drei kann ich keine Verträge abschließen, nicht im Internet einkaufen und bin sehr eingeschränkt bei Absprachen und Verabredungen. Als das Handy dann endlich da war, gab es also viel zu erledigen.
Am Anfang letzter Woche hat meine neue Arbeit an der Universität begonnen. Ich unterrichte zwei Kurse, einen Anfängerkurs und einen Fortgeschrittenenkurs, welche ich an vier Tagen in der Woche jeweils für zwei Stunden sehe. Im Anfängerkurs unterrichte ich 25 Studenten, im Fortgeschrittenenkurs nur 15. Das Unterrichten macht Spaß! Die Anfänger sind sehr motiviert und lernen schnell, doch um die Fortgeschrittenen habe ich zunächst Sorgen gemacht, denn in den ersten Stunden hatten viele sprachliche Probleme, die ich im Fortgeschrittenenkurs nicht erwartet hatte. Grund dafür ist, dass die männlichen Studenten während der vergangenen zwei Jahre ihren Militärdienst geleistet und während dessen kaum Deutsch geübt haben. Meine Planung musste ich also stark verändern, habe nun aber das Gefühl, dass ich sie alle in den acht Stunden pro Woche fit machen kann für die Prüfungen in der Mitte und am Ende des Semesters.
Derzeit ist es noch so, dass die Unterrichtsvorbereitung viel Zeit in Anspruch nimmt. In der letzten Woche bin ich nach getaner Arbeit oft erst um acht Uhr Abends nach Hause gefahren. Nun kenne ich unserer Lehrmaterial zunehmend besser und schaffe es mittlerweile bequem, so wie andere Dozenten den Bus um 17:40 Uhr zu nehmen. Im Vergleich zum Tagesablauf eines Lehrers in Deutschland sind meine Tage sehr entspannt. Ich verlasse morgens erst um 8:30 Uhr das Haus, habe zwischen den Unterrichtsstunden viel Zeit, um zu Mittag zu essen und mit den Kollegen einen Kaffee zu trinken, und kann nach der letzten Stunde in meinem eigenen Büro sitzen und in Ruhe arbeiten.
Montags gebe ich keine Unterrichtsstunden, nehme aber als Student an einem Seminar unsereres Institutsleiters teil, in welchem Texte berühmter deutscher Autoren in koreanischer Übersetzung gelesen und diskutiert werden. Sprachlich komme ich dabei eigentlich nicht mit. Es fällt mir enorm schwer die Texte zu Hause vorzubereiten, auch kann ich der Diskussion im Seminar oft nicht folgen. Ich hoffe aber, dass sich dieser Zustand im Laufe des Semesters bessert. Immerhin zwingt mich die Teilnahme am Seminar konstant an meinem Koreanisch zu arbeiten. Im Alltag funktioniert es ja gut, doch ich würde gerne mehr können!
An der Uni gefällt mir, dass natürlich nicht nur deutsche, sondern auch viele andere ausländische Dozenten vor Ort sind. Meinen indonesischen Freund Florian habe ich noch nicht getroffen, dafür aber Alfonso aus Mexiko, mit dem ich ebenfalls in einem Studentenwohnheim in Seoul gewohnt habe. Sicher werde ich ihn mal besuchen, denn er wohnt nur knapp 100 Meter entfernt in meiner Nachbarschaft.
Hi Stefan!
Mensch, das hört sich ja echt gut an! Ich glaube, ich bleibe im Juli einfach da und kehre nicht mehr nach Deutschland zurück, denn ich möchte zwischen meinen Unterrichtsstunden auch mal Zeit haben, einen Kaffee zu trinken oder mit meinen Kollegen Mittag zu essen ;-))
Nein, im Ernst, es freut mich, dass Du es so gut angetroffen hast!
Schöne Grüße aus dem verregneten Aachen
JOCHEN
Hallo Jochen,
In Deutschland sind die Arbeitstage in der Schule auch deswegen so anstrengend, weil sie so komprimiert sind: Man bemüht sich alles in den Vormittag reinzupacken, um dann möglichst zur Mittagszeit schnell nach Hause fahren zu können. Dadurch bleibt kaum Zeit für Absprachen, selbst die Pausen werden hektisch, und die Gefahr ist groß, dass man sich schlecht ernährt. Mir gefällt es viel besser, wenn sich Arbeits- und Erholungsphasen über den Tag erstrecken. Dafür nehme ich gerne in Kauf erst am späten Nachmittag oder gegen Abend zu Hause zu sein.
Grüße aus dem zur Zeit auch verregneten Gwangju in Gyeonggido!
Stefan
Hallo Stefan,
Wie ich sehe, warst du beim tapferen Schneiderlein Mr. Lee
Hast du dir mehrere Anzüge machen lassen oder erstmal einen?
Gruß Sascha
Hallo Sascha,
Erst mal habe ich nur einen machen lassen, mit dem ich aber sehr zufrieden bin. Ich ziehe ihn abwechselnd an mit dem Anzug, den ich aus Deutschland mitgebracht habe. Es gibt keinen Anzug-Zwang an der Uni, aber wir wollen eine gutgekleidete Abteilung mit einem professionellen Auftreten sein. Auf die Dauer brauche ich daher mehr als zwei Anzüge. Für den Sommer werde ich mir einen aus diesem ultraleichten Material schneidern lassen, in dem man auch bei Sonnenschein angenehm temperiert ist. Was das angeht, muss ich mich noch mal vom Jupp beraten lassen…
Gruß nach Hamburg!
Stefan