Hybridisierung meiner Sprache Deutsch

19. February 2009

Jetzt bin ich kaum eine Woche in Korea, doch ich merke schon wieder, wie sich meine Sprache in einem rasanten Tempo hybridisiert. Damit meine ich, dass koreanische Worte Eingang in meinen Sprachgebrauch finden, wenn ich Deutsch spreche.

Das geschieht zum einen dadurch, dass bestimmte Worte einfach sehr üblich sind unter Deutschen in Korea - z. B. die Namen von koreanischen Gerichten, Abkürzungen für Schulen und Universitäten und Worte wie Ajumma (Frau mittleren Alters) und Ajeoshi (Mann mittleren Alters). Als ich Anfang 2007 zurück nach Deutschland kam, fiel es mir wirklich schwer über Korea zu sprechen, ohne diese koreadeutschen Worte zu gebrauchen.

Zum anderen hybridisiert sich meine Sprache dadurch, dass ich ständig zwischen den Sprachen hin- und her wechsele. Für manche Begriffe gibt es keine eindeutige deutsche Entsprechung, für andere ist das koreanische Wort einfach kürzer oder kommt mir einfach schneller in den Sinn. So denke ich, “oh, mal schauen, ob der 우체부 schon mein 외국인등록증 vorbei gebracht hat…”. Natürlich könnte ich das übersetzen in “oh, mal schauen, ob der Postbote schon meine Ausländerregistrierungskarte vorbei gebracht hat…”, doch der kreolsprachliche Ausdruck ist unmittelbar in meinen Kopf, während die rein deutsche Sprachform nur verzögert erscheint.

Auffallend ist, dass sich aber nur der Wortschatz hybridisiert und nicht die Grammatik. Da der Wortschatz einer Sprache und die Grammatik in unterschiedlichen Gehirnarealen angesiedelt sind und ich zudem die deutsche Grammatik nicht bewusst erlernt, sondern als Kleinkind akquiriert und somit fest in meinem Gehirn verankert habe, ist es eigentlich nicht verwunderlich, dass nur Worte hinzukommen. Es erweitert sich offenbar mein deutscher (!) Wortschatz ständig um koreanische Worte, die dann unmittelbar in den Sprachfluss integriert werden.

Mein Eindruck ist zumindest, dass dies ein ganz anderes Phänomen ist als das Code-Switching mehrsprachig aufgewachsener Menschen, die völlig unbewusst oft sogar mitten im Satz die Sprache wechseln, da sie die Grammatik mehrerer Sprachen völlig intuitiv beherrschen. Im öffentlichen Nahverkehr im Raum Aachen hatte ich ausgiebig Gelegenheit dies zu beobachten. Zu solchen Kunststücken ist ein monolingual aufgewachsener Mensch wie ich wohl kaum fähig.

¬ geschrieben von Stefan in Mein Leben in Korea, Sprache

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8 Kommentare zu 'Hybridisierung meiner Sprache'

  1. Sascha sagte am Thursday, February 19th 2009 um 5.24 pm Uhr:

    Hey Stefan!
    Diese Vermischung der Sprachen ist schon eine interessante Sache. Hauptsache es kommt nicht zur völligen Konfusion beim Gesprächspartner ;) Vor allem, wenn du Englisch und Esperanto in den Mix einbringst. Aber die scheinst du im Alltag ja eher selten zu verwenden.
    Gruß aus Hamburg
    Sascha

  2. Stefan sagte am Thursday, February 19th 2009 um 6.30 pm Uhr:

    Hallo Sascha,

    Das stimmt, seit ich dem Jupp nicht mehr Schreibtisch an Schreibtisch gegenüber sitze, spreche ich deutlich weniger Englisch. Mit den ausländischen Kollegen der anderen Abteilungen wird Englisch aber wohl Verkehrssprache sein. Mal sehen zu welchem Prozentsatz ich meine Sprachen gebrauche. Zu einem ausgeglichenen 1:1:1-Verhältnis oder gar 1:1:1:1-Verhältnis wird es aber sicherlich nicht kommen…

    Grüß mir die Nanopartikel!

    Stefan

  3. Elmar sagte am Friday, February 20th 2009 um 11.50 pm Uhr:

    Hallo Stefan,

    mach dir wegen der Hybridisierung keine Sorgen - solange du mit Koreadeutschen sprichst, ist das ja auch die “angemessene” Sprache, und wenn du bei einem Deutschlandaufenthalt erst mal in ein paar verständnislose Gesichter geschaut hast, lernst du ganz schnell, den Extrawortschatz wieder zu meiden ;-) Anders sieht es bei sehr langen Aufenthalten im fremden Land aus, wie z.B. bei meiner kleinen Schwester, die schon seit mehr als 20 Jahren in Australien lebt und der die normaldeutschen Wörter oft nicht mehr spontan einfallen - aber auch sie hatte bei ihrem letztjährigen Deutschlandbesuch keine Probleme, sich innerhalb weniger Tage wieder zurückzugewöhnen. Die deutschen Entsprechungen werden sozusagen in dem Moment wieder re-aktiviert, sobald man sie aus dem Mund anderer hört, oder sie liest.

  4. Brigitte Rantz sagte am Sunday, February 22nd 2009 um 8.44 am Uhr:

    Hallo Stefan,
    da wir uns seit Jochens Examen nicht mehr gesehen haben, möchte ich Ihnen ganz herzlich zum bestandenen Examen gratulieren und Ihnen viel Erfolg und alles Gute für Ihren weiteren beruflichen und privaten Weg wünschen.
    Liebe Grüße
    Brigitte Rantz

  5. Stefan sagte am Sunday, February 22nd 2009 um 2.31 pm Uhr:

    Vielen Dank, Frau Rantz!

    Seien Sie gespannt, was Jochen berichten wird, wenn er mich demnächst mal in Korea besuchen wird…

  6. Генадий Петрович sagte am Monday, July 13th 2009 um 11.25 am Uhr:

    судя по рейтингу можно брать

  7. Banker sagte am Wednesday, September 9th 2009 um 1.11 pm Uhr:

    Спасибо!
    Отличная информация!

  8. бегалки для мальчиков sagte am Sunday, September 13th 2009 um 11.50 pm Uhr:

    Отличная тема! Будет интересно прочитать развитие событий.

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